Mit einem 2:1 Auswärtssieg im Südderby gegen den VfB Stuttgart konnte der FC Bayern München den Vorsprung auf den Zweitplatzierten, FC Schalke 04, auf 3 Punkte ausbauen. In einem umkämpften Spiel, in dem der Stuttgarter Molinaro in der 29. Minute zurecht des Spielfeldes verwiesen wurde, wurde Gomez mit einem Doppelpack zum Matchwinner. Zuvor ging Stuttgart in der 6. Minute mit einem Tor von Gentner mit 1:0 in Führung. Aber kann man mit der Leistung zufrieden sein? Ich denke nein. Und wieso ich so darüber denke, das erfahrt ihr im Artikel.
Die spielentscheidende Szene war sicherlich nicht der gelb-rote Karte für Molinaro, denn bis zu diesem Zeitpunkt kombinierte der FC Bayern München ansehnlich und glich bereits 16 Minuten zuvor durch das Tor von Mario Gomez aus. Doch nach der gelb-roten Karte konnte ein Bruch im Spiel des FC Bayern München festgestellt werden. Lag es womöglich an der Konzentration, dass man sich zu sicher fühlte, das Spiel noch siegreich zu gestalten? Zwar konnte man in der zweiten Halbzeit noch den Siegtreffer erzielen, aber ein Unentschieden für Stuttgart war im Bereich des Möglichen. Hätte Cacau den 2:2 Ausgleichstreffer erzielt, als Van Buyten mit einer zu kurzen Kopfballrückgabe Manuel Neuer in Bedrängnis brachte, dann hätte sich niemand beschweren können.
Es ist erschreckend mit anzusehen, dass die Bayern zwar eine Dominanz durch viel Ballbesitz aufbauen können, aber die kreativen Momente im Offensivspiel sind rar. Das Tempo wurde seitens der Roten aus dem Spiel genommen, der Spielaufbau war zu behäbig. Selten rotierten die Spieler auf ihren Positionen, sondern klebten förmlich auf diesen. Die Überzahl konnte nicht ausgespielt werden, da die Stuttgarte zu Zehnt die Räume eng machten und selbst auf Konter lauerten. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass seit Wochen und Monaten das Angriffsspiel lahmt. Aber was sind die Gründe für diese Unlust und die fehlende Kreativität im Aufbauspiel?
Als wir gemeinsam das Spie verfolgten, fiel dieser Satz besonders häufig: „oh man, was für ein lahmes Spiel!“. Wieso wird das Spieltempo nicht erhöht, wieso wechseln die Spieler so selten ihre Positionen und wieso zum Geier hat man nicht das Gefühl, als würde die Mannschaft im Training Spielzüge trainieren? Es kann doch nicht der Anspruch sein, dass man als Mannschaft des FC Bayern München sich mit Mühe und Not zu einem 2:1 gegen 10 Stuttgarter müht oder wenig überzeugend in Augsburg gewinnt!
Ich bin froh, dass es bald in die Winterpause geht, zuvor muss nur noch das Spiel gegen Köln erfolgreich gespielt werden, ebenso gegen den VfL Bochum im DFB Pokal. Dann hat das Team hoffentlich ausreichend Zeit, um sich neu zu ordnen, sich einzuspielen und ggf. auch durch neue Transfers die Qualität der Spieler zu erhöhen.
Überzeugt haben heute in erster Linie Rafinha, der auch die Vorlage zum wichtigen 1:1 gab, wie auch Toni Kroos und natürlich unser Matchwinner Mario Gomez. Thomas Müller war erneut unauffällig, Robben hat zumindest in der 1. HZ positiven Akzente setzen können. Franck Ribery wurde weitestgehend von Boka aus dem Spiel genommen. Zentral hat Tymoschuk zumindest defensiv seine Hausaufgaben gemacht, Philipp Lahm konnte lediglich die Vorlage zum 2:1 geben, ansonsten hat er sich ebenfalls vornehmlich nicht an gefälligen Offensivaktionen beteiligt. Die Defensive stand weitestgehend sicher, wurde aber zu selten von der Stuttgarter Offensive gefordert.
Ich bin gespannt, ob es Jupp Heynckes gelingen wird, in der Mannschaft neue Reizpunkte zu setzen und die Automatismen im Spielaufbau zu optimieren. Ansonsten bekommt man immer mehr das Gefühl, dass die gute Saisonleistung zu Beginn der Saison vor allem der Verdienst seiner Nachfolger sind – Louis van Gaal und Andres Joncker. Derzeit bin ich nicht davon überzeugt, dass Jupp Heynckes die beste Lösung für das Traineramt des FC Bayern München ist. Dazu scheint er mir zu sehr auf das System 4-2-3-1 fixiert zu sein und seine Rotation betrifft in der Regel lediglich die Position des IV, RV und DM. Auf anderen Positionen scheinen wir keinen Konkurrenzkampf zu haben, ein Anzeichen dafür, dass die Qualität der zweiten Reihe nicht ausreichend ist – zumindest nicht für die Ziele eines FC Bayern München.
Viele werden sicherlich jetzt wieder auf den Artikel drauf hauen, aber das ist mir egal! Denn ich reflektiere meine ehrliche Meinung zur Entwicklung des Teams, wie ich sie für mich sehe. Dass es andere Meinungen gibt, das kann ich akzeptieren und gerne auch bereit, diese unterschiedliche Sicht der Dinge kontrovers aber fair zu diskutieren.
Wie habt ihr das Spiel gesehen und wie schätzt ihr die Entwicklung des Teams ein? Ich bin gespannt auf eure Meinungen.
Geschrieben von Marcel Kruse am 11.12.2011

