Bundesliga | Abwärtstrend des Rekordmeisters geht weiter

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Der FC Bayern verliert in Mainz

Als Fan des FC Bayern München geht man natürlich positiv ins Spiel und tippt auf einen Sieg der eigenen Mannschaft. Aufgrund der vergangenen Wochen, in denen sich der FC Bayern München bereits saft,-kraft,- und ideenlos präsentierte, war die Hoffnung an einen Sieg gegen die Mainzer größer als der Glaube daran. Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir heute als Verlierer das Spielfeld verließen. Die eigene Leistung war absolut schwach, es war zu wenig Bewegung im Spiel, unser Mittelfeld und unseren Außenspieler waren ideenlos und unsere Abwehr erinnerte an die Saison 2010/2011, als man defensiv mittelmäßige Spiele ablieferte.

Ich möchte jetzt auch nicht das gesamte Spiel analysieren, sondern viel mehr auf die Leistung einzelner Spieler eingehen und vor allem auf die unseres Trainers Jupp Heynckes.

 

Bastian Schweinsteiger fehlt

 

Nach der Verletzung von Bastian Schweinsteiger gab es von offizieller Seite aus Statements, dass der Ausfall natürlich hart ist, aber die Spieler der zweiten Garde aufgrund ihrer spielerischen Qualität diesen Ausfall für einige Wochen kompensiert werden kann. Diese Einschätzung erwies sich völlig falsch, denn ein Gustavo und ein Alaba konnten in ihren Einsätzen nicht ansatzweise überzeugen und waren auch heute erneut ein Schwachpunkt im Spiel des FC Bayern München. David Alaba mag ein Talent sein, aber Talent alleine reicht nicht aus. Seine Leistung war unterirdisch. Weder im Zweikampf noch in der Balleroberung wusste er zu überzeugen, auch seine häufigen Fehlpässe sorgten für unnötige Ballverluste. Sein Nebenspieler, Gustavo, erwies sich ebenfalls als Totalflop. Dass er kein Kreativer und Stratege ist, wusste man bereits, galt er zuvor schon eher als Kettenhund für gegnerische Spielmacher. Aber auch diese Aufgabe konnte er heute nicht bewältigen, er ließ seinen Gegenspieler zu viel Raum und nicht grundlos fiel das 1:0 der Mainzer durch ein Tor des Spielmachers Ivanschitz.

 

Unsere Abwehr ein Hühnerkaufen

 

Jerome Boateng wechselte zum FC Bayern München, da man ihm versicherte, dass man mit ihm als zentralen Abwehrspieler in der Innenverteidigung plant. Nicht nur er selbst sprach zuvor davon, dass er sich aufgrund seiner Qualitäten in in der Innenverteidigung stärker sieht, auch sein Trainer Jupp Heynckes stimmte ihm in dieser Hinsicht zu. Dennoch wird er häufiger als Rechtsverteidiger eingesetzt, da der eigentlich als Stammspieler angedachte Rafinha, diese Position noch nicht mit ausreichender Qualität besetzen konnte. Aber auch ein Boateng erweist sich auf dieser Position nicht als erhoffte Verstärkung. Was sich Jupp Henyckes dabei denkt, das weiß vermutlich nur er selbst. Jeder andere sieht, dass das Potential von Boateng dort verschenkt wird und unsere rechte Seite offensiv praktisch nicht stattfindet. Das liegt mit unter aber daran, dass hier ein weiterer Spieler zum Einsatz kommt, der ebenfalls nicht als Außenspieler überzeugen kann: Thomas Müller.

 

Offensive findet nicht statt

 

Unser Eigengewächs, Nachwuchsstar und mittlerweile auch etablierter Nationalspieler, Thomas Müller, ist diese Saison ein Totalausfall. Egal ob zentral hinter Gomez oder rechts auf der Außenbahn – immer dort, wo Müller spielt, geht vom FC Bayern München keinerlei Gefahr aus. Was für Ursachen das hat, darüber kann nur spekuliert werden, aber diese Leichtigkeit, die Kaltschnäuzigkeit und der unbedingte Wille zum Torerfolg zeichnet unseren Thomas Müller bereits seit Monaten nicht mehr aus. Stattdessen bringt er nicht eine Flanke zum eigenen Mann (muss er sich wohl von Philipp Lahm abgeguckt haben) und weder als Vorlagengeber oder Torschütze wird er in den Statistiken der Bundesliga sonderlich erwähnt. Warum er heute nicht frühzeitig, gemeinsam mit Alaba, Gustavo und Boateng, ausgewechselt wurde, das bleibt ein Rätsel und für Aufklärung kann lediglich unser Trainer Jupp Heynckes sorgen.

 

Dominanz führt nicht zu Erfolg

 

Seien wir mal ehrlich: der Fußball, der anfangs Erfolg versprach, ist zu großen Teilen dem Vorgänger Louis van Gaal zuzuschreiben. Vielleicht hat Jupp Heynckes hier und da an einigen Schrauben gedreht, um die Mannschaft kompakter aufzustellen und weniger Gegentore zuzulassen, aber das eigentliche Spiel – Dominanz durch Ballbesitz – hat sich nicht verändert. Zu Beginn der Saison war man jedoch kreativ und man war ständig in Bewegung, auch wenn man nicht den Ball hatte. Mittlerweile sind wir aber erneut in der Trostlosigkeit angelangt – das Spiel des FC Bayern München ist wieder berechenbar und als neutraler Zuschauer leider auch langweilig. Kreativität versprühen lediglich im Ansatz Toni Kroos und Franck Ribery. Die restliche Mannschaft weiß jedoch mit dem Ball am Fuß nicht sonderlich viel anzufangen, daher wiegt der Ausfall von Bastian Schweinsteiger auch besonders schwer, da er der Lenker und Chefstratege im Mittelfeld war und durch seine enorme Ballsicherheit, Zweikampfstärke und Passsicherheit das Spieltempo jederzeit forcieren konnte. Diese Qualitäten kann niemand anderes beim FC Bayern München auffangen, im Ansatz lediglich Tymotschuk, der aber heute gesperrt fehlte.

 

Fehlende Qualität auf der Bank

 

In der jüngsten Vergangenheit sprachen die Verantwortlichen des FC Bayern München davon, dass man eine mit Stammspielern besetzte Bank benötige, ähnlich wie andere europäischen Spitzenteams z.B. FC Barcelona oder Real Madrid und man sah sich bereits am Ziel seiner Träumen. Die Gegenwart sowie die jüngsten Vergangenheit hat aber gezeigt, dass das Gefälle der Spieler sehr groß ist und einige Spieler nicht die Qualität haben, um die Zukunft des FC Bayern München erfolgreich gestalten zu können. Allen voran Spieler wie Pranjic, Alaba, Gustavo, Olic (leider, ich mag ihn sehr, aber es reicht einfach nicht mehr für den FCB), Osami, Breno etc. verfügen nicht über die Klasse, die der FC Bayern München benötigt, um im Konzert der Großen mitspielen zu können.

 

Undurchsichtige Trainerentscheidungen

 

Die größte Überraschung am heutigen Tag war für mich jedoch Jupp Heynckes. Man dachte, unsere Mannschaft führt und dominiert das Spiel, denn Jupp Heynckes saß seelenruhig auf seinem wohl gewärmten Sessel, ohne jegliche Regung. Vermutlich sah er auch eine starke Leistung seiner Spieler, denn anders kann man es nicht erklären, wieso er nicht schon nach 20 Minuten wechselte und den z.B. schwachen Alaba vom Platz nahm. Stattdessen konnten heute einige Spieler über 90 Minuten durchspielen, obwohl das Auswechslungskontingent nicht erschöpft wurde und Spieler wie Robben, Petersen & Co. noch auf der Bank Platz nahmen. Als erste Auswechslung musste Gustavo für Olic weichen, der für den Rest des Spiels keinen einzigen Glanzpunkt setzen konnte. Im späteren Verlauf des Spiels musste dann Boateng den Platz verlassen und man vermutete, jetzt würde Jupp eine neue Offensivkraft bringen, um die Niederlage in Mainz abzuwenden. Aber falsch gedacht: denn für ihn kam Rafinha auf den Platz, der in den Wochen zuvor bereits versagte und wenig Aktionen zur Offensive beitrug. Ein cleverer Schachzug, der von niemanden anderem, außer ihm selbst, verstanden werden konnte. Leider ging seine – undurchsichtige – Taktik nicht auf. Der Thomas durfte weiter „müllern“ (Synonym für „wurschteln“ und „versagen“), Alaba weiterhin Flipper spielen (hektischer Bewegungsablauf, schlechte Pässe) und Gomez durfte auch weiterhin auf verlorenem Posten stehen, da er von seinen Nebenleuten auch im weiteren Spielverlauf nicht gesucht und eingesetzt wurde.

 

Dortmund wird Herbstmeister

 

Um ehrlich zu sein: mir fehlen die Worte für diese klägliche Leistung und bereits vor dem Dortmund Spiel habe ich darauf getippt, dass wir nicht als Herbstmeister in die Winterpause gehen. Meine eher pessimistische Einschätzung scheint sich zu bewahrheiten – leider! Aber wenn man als FC Bayern Fan ehrlich ist, und die Leistung der eigenen Mannschaft nicht durch eine rote Brille sieht, dann muss man die Glückwünsche an Gladbach und Dortmund richten, da diese durch absoluten Willen, großen Einsatz und einer sichtbaren Spielkultur absolut überzeugen, während unsere Mannschaft in die Lethargie der letzten Saison zurückverfällt.

 

Winterpause bringt Veränderungen

 

Die Winterpause wird spannend und ich bin davon überzeugt, dass sich unser Kader deutlich verändert. Denn auch die Verantwortlichen müssen allmählich erkennen, dass wir nicht über ausreichend Qualität verfügen und neue Spieler benötigt werden, um nicht erneut den Mannschaften aus Gladbach und in erster Linie Dortmund hinterher zu rennen.

Bin gespannt auf eure Meinung!

 

 

Geschrieben von am 27.11.2011

Kommentare

  •  hat noch kein eigenes Benutzerbild hochgeladen
  • schrieb am 29.11.2011 um 18:39 Uhr folgenden Kommentar

    Schwierig

    Marcel, das ist eine echt schwierige, aber durchaus berechtigte Frage. Nun bin ich leider kein Spielerscout und mein Fußballsachverstand ;-) reicht dazu wohl auch nicht aus, den oder die absoluten Verstärkungen hier namentlich zu benennen. Meiner Meinung gehören jedoch Reuss und Götze (was für Schmarrn-Diskussionen) nicht zu den Kandidaten, die uns in der jetzigen Situation helfen könnten. Ich schätze aber ein, dass Bayern bestimmt nicht untätig ist und schon welche auf dem Zettel hat, die echte Verstärkungen sein können. Ich glaube , dass Bayern keine "Granaten" hervorzaubert. Das könnte mal was Grundsolides sein. Eine Art Vidic oder Canavaro in seinen besten Zeiten würde ich mir wünschen :-) Gruß Otto

 

  • Marcel Kruse | Marcel
  • Marcel Kruse schrieb am 29.11.2011 um 09:01 Uhr folgenden Kommentar Dieser Blog Eintrag fand zwar direkt nach Spielende seinen Weg ins Netz, aber ich stehe nach wie vor zur Kernaussage. Ich freue mich, dass es noch andere gibt, welche die jetzige Situation kritisch betrachten und nicht durch die Vereinsbrille alles in rosa sehen.

    Wen würdet ihr euch denn als Verstärkung zukünftig wünschen? Meine Favoriten sind Sneijder und Montolivo, eventuell auch Fellani von Everton.

 

  • Bayern-Robby hat noch kein eigenes Benutzerbild hochgeladen
  • Bayern-Robby schrieb am 28.11.2011 um 19:30 Uhr folgenden Kommentar

    Absolut richtig !!!

    Gratuliere Marcel. Treffsicher deine Analyse, sprichst mir aus dem Herzen. Es gibt keinen Unterschied zur Saison unter LVG. Die hohen Heimsiege gegen Mannschaften wie Freiburg, Berlin usw. wurden in meinen Augen total überbewertet. Da kam null Gegenwehr und durch frühe Tore hatten unsere Bayern leichtes Spiel. Sorry Herr Heynckes, aber taktisch top ausgebildet sind wohl leider andere Trainer in der Bundesliga. 4x Rückstand = 4x verloren. In den 70ziger, 80ziger und zum Teil auch 90ziger Jahren waren wir des öfteren mit ein zwei Toren im Rückstand, aber dann wurde das Match meistens noch gedreht. Warum? Weil wir Spieler mit Eiern (Sprichwort O.Kahn) und keine Weicheier hatten. Unser Buchautor (Herr Lahm) sollte eher Pressesprecher beim FC Bayern werden, weil auf dem grünen Rasen ist schon lang nicht mehr viel zu sehn von ihm.
    Sorry liebe Bayern-Fans, leide wohl selber am meisten darunter obwohl mir jetzt einige böse sind.

 

  •  hat noch kein eigenes Benutzerbild hochgeladen
  • schrieb am 27.11.2011 um 20:30 Uhr folgenden Kommentar Wow, das ist ehrlich, ausführlich und bestechend in der Bewertung! Ich bin begeistert, das wird bei den Bayern nicht unbedingt auf Freude stoßen. Aber treffender kann es kein bezahlter Fußballexperte ausdrücken. Vielleicht sind ja paar clevere dabei, die es lesen und sich was draus mitnehmen.
    Mach aber mal den "Hühnerkaufen" richtig.

    Danke, Marcel für diese Kollumne.

    Grüße Otto

 

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